Gute Kohle – Ökologische Facts und Alternativen zur Holzkohle im Test

Gute Grillkohle – es muss nicht immer Holz sein

Kohle soll leicht anzuzünden sein und möglichst lange brennen. Darin sind sich alle Grillerinnen und Griller wohl einig. Grillkohle kann aber noch viel mehr – neben der Leistung zählen Schadstoffwerte, die Herkunft und das Material für zunehmend mehr Menschen eine Rolle. Der Markt hat darauf längst reagiert und es gibt ein breites Spektrum an Angeboten. Doch was taugen die eigentlich?

Wir haben uns ein paar dieser Neuheiten abseits der altbekannten Holzkohle angesehen. Die Ergebnisse stellen wir in diesem Beitrag vor.

Um uns aber gaaanz langsam dem Ziel des Beitrags zu nähern, schauen wir uns zunächst die drei Kriterien Schadstoffe, Herkunft und Material näher an. Hier noch im Fokus der Aufmerksamkeit: Holzkohle.

Schadstoffe

Relevant für ein möglichst schadstofffreies Verbrennen ist unter anderem ein vollständiger Prozess des Verköhlerns von Holz zu Kohle. Das bedeutet, dass der Kohlenstoffgehalt der Kohle maximal hoch ist und die Feuchtigkeit nahezu komplett entzogen wird. Das Ergebnis hat eine lange Brenndauer der Kohle sowie geringe Aschebildung zur Folge. Meist wird Laubholz für die Kohleherstellung verwendet. Zwar enthält Grillkohle auch Schwermetalle, die Anteile sind aber bei den meisten Kohleanbietern so gering, dass sie keine Gefahr für die Gesundheit und Umwelt darstellen. Das hat die Stiftung Öko-Test1 bereits 2009 in einem umfangreichen Kohletest festgestellt.

Beim Thema Schadstoffe, muss aber auch über den Herstellungstellerrand geschaut werden. Denn die größte Gefahr entsteht beim Grillen selbst. Auch bei bester Kohle können immer noch gesundheitsschädigende Stoffe entstehen. Das sind die sogenannten PAK – polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und die heterozyklischen aromatischen Amine (HAA). Erstere entstehen, wenn Fett in die Glut tropft. Bei der Verbrennung entstehen die krebserregenden PAK. Durch den Rauch werden sie zum Grillgut transportiert und bleiben daran hängen.

Wenn zu heiß gegrillt wird, können die HAA entstehen. Diese erkennt man leicht an den schwarzen Stellen am Fleisch oder an den Würstchen. Diese Stoffe sind ebenfalls stark krebserregend.

Der Bildung von PAK kann leicht entgegen gewirkt werden, wenn z.B. indirekt gegrillt wird oder das Grillgut nicht direkt auf den Rost gelegt wird. Dafür können Grillschalen oder speziellen Aufsätze, die abtropfendes Fett aufsammeln verwendet werden.

Die Bildung von HAA kann dadurch vermieden werden, dass man abwartet, bis sich die Glut wieder etwas abgekühlt hat. Die HAA entstehen bereits ab Temperaturen von ca. 150° C. Am besten das Grillgut einmal kurz scharf angrillen und dann am Rand bei etwas weniger Hitze zu Ende grillen. Und hier gilt immer: Wenn´s schwarz wird, nicht essen!

Herkunft

Das hat schon die Runde gemacht: Holz aus den Tropen muss nicht sein. Zwar gibt es auf verschiedenen Kohlepackungen den Hinweis „Kein Tropenholz“ – das muss aber nicht immer ein Garant dafür sein, dass tatsächlich nicht das drin ist, was nicht drin sein soll. Für den Laien ist es gar nicht so einfach, der Kohle anzusehen, aus welchem Holz sie hergestellt wurde. Da kann der ein oder andere Hersteller auch schnell mal Holz aus illegalen Rodungen für Plantagen verwenden. Zum Glück gibt es aber Experten, die an Hand von Poren und sichtbaren Maserungen sehr genau feststellen können, um welches Holz es sich handelt.

Der größte Kohleproduzent ist Lateinamerika, d.h. die Kohle hat einen ganz schön weiten Weg bis nach Europa. Und ob die Kohle da nach vernünftigen Umweltstandards hergestellt wird, lässt sich auch trotz Zertifikaten nicht immer verlässlich sagen. Dann doch lieber Kohle aus heimischer Produktion: In Europa ist Polen einer der größten Hersteller von Kohle. Wer sicher gehen will, dass mit seiner Kohle alles in Ordnung ist, der achtet vor allem auf ein FSC oder PEFC-Siegel. Das bescheinigt, dass das Holz nach nachhaltigen Standards geschlagen wurde und auch entsprechend nachhaltig weiterverarbeitet wurde.

Und wer noch sicherer gehen will, der kann sogar in Deutschland hergestellte Kohle verwenden. In manchen Orten finden sich noch kleine Köhlereien, die die Kohle nach einer uralten Methode herstellen. Diese kann häufig lokal gekauft werden. Für alle, die keinen Köhler um die Ecke haben, bietet sich ProFagus an. Das niedersächsische Unternehmen verwendet ausschließlich Buchenholz aus deutschen Wäldern. Die Kohle wird ebenfalls in Deutschland hergestellt. Allerdings nach einem etwas moderneren Verfahren, als bei den altbewährten Köhlereien.

Material

Es ist ja schon ein paar mal angeklungen: Welches Material wird denn nun am besten für die Kohle verwendet? Die Grillexpertinnen und -experten sind sich da einig: Kohle aus Buche oder Eiche. Diese Hölzer tragen die meiste Energie in sich, dadurch bleibt die Glut lange heiß und gleichzeitig gibt es auch wenig Funkenflug, wie es vor allem bei Kohle aus Nadelhölzern der Fall ist.

Und jetzt kommt´s: Es gibt eine Alternative zur Holzkohle! Kohlebriketts die aus Abfällen gemacht werden. Zum Glück aber nicht aus dem aus der Restmülltonne. Bei der Herstellung von Kokosflocken oder Olivenöl fallen nämlich eine ganze Menge biologischer Abfälle an, die man prima zur Kohleherstellung verwenden kann. Und selbst die Weinproduktion versorgt uns bereits mit Brennmaterial!

Aus alten Kokosnussschalen und den alten Olivenkernen und -schalen können durch Verköhlerung Kohlebriketts hergestellt werden. Nicht zu Briketts weiter verarbeitet, aber dennoch einen Blick wert sind alte Weinstöcke, die als Kohleersatz zum Einsatz kommen können.

Diese drei Sorten haben wir für euch getestet:

Drei Alternativen zur Holzkohle

1. Kohle aus Olivenkernen

Wir haben die Oliobric Grill-Gourmet-Briketts getestet.

Verpackung der OlioBrics

Verpackung der OlioBrics

Optischer Eindruck: Nach dem öffnen des 3kg-Beutels machen die Briketts einen Eindruck, wie ihn sämtliche Briketts vorher auch schon gemacht haben. Sie sind klassisch schwarz und in die typisch kugelige Form gepresst. Dass es sich hier um verköhlerte Abfälle aus der Olivenölindustrie handeln soll, lässt sich nicht erkennen. Es muss also blind den Hinweisen auf der Verpackung vertraut werden.

Anzündverhalten: Wir haben die Kohle mit dem Mokan Grillanzünder entzündet. Aufgrund der vermutlich hohen Pressdichte der Briketts, war das Anzündverhalten damit nicht ganz optimal, aber nachdem die Kohle ca. 20 Minuten nur an ein paar kleinen Stellen glühte, setzte dann ein schnelles Durchglühen ein, wodurch die Kohle nach ca. 30 Minuten so weit war, dass mit dem Grillen losgelegt werden konnte.  

Brennzeit: 2 Stunden nach dem Anzünden sorgte die Kohle im Grill noch für eine Temperatur von 220° C. Gemessen wurde mit dem integrierten Thermometer bei geschlossenem Deckel. Für einen Grillabend ist das eine durchaus ausreichende Dauer. Falls der Grillabend verlängert werden sollte, lassen sich auch einfach auf einer Seite neue Kohlen nachlegen, die dann auch zügiger zünden, als zum Start.

Zündung der OlioBrics

Zündung der OlioBrics

Temperaturkurve: Zu Beginn kommt es zu einer sehr starken Hitzeentwicklung, so dass nach einer halben Stunde nach Erreichen der Grillbereitschaft eine Temperatur von 330°C gemessen wurde. Eine halbe Stunde später ließ die Energie allerdings schon ein wenig nach. Mit 250° C lässt sich allerdings immer noch ideal grillen. Eine weitere halbe Stunde später liegt die Temperatur bei 220° C. Das spricht für einen moderaten Abfall der Temperaturkurve, was bedeutet, dass mit den Oliobrics locker 1,5 Stunden gegrillt werden können. An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass die Temperatur nicht der Temperatur entspricht, die direkt auf dem Rost herrscht. Je nach Grillgut und Zubereitungsart sind andere Temperaturstufen notwendig.

Asche: Was auffällt ist die immense Aschemenge, die nach dem Abbrennen im Grill liegen bleibt. Vom Volumen erinnert es an die Originalgröße der Briketts. Zusätzlich scheint die Asche auch recht dicht zu sein, da die Briketts kaum zerfallen sondern bis zum Ende ihre Form behalten.

Asche der OlioBrics

Asche der OlioBrics

Fazit: Die Oliobric Grill-Gourmet-Briketts sind eine tolle Alternative zur Kohle auf Holz- oder Braunkohlebasis. Zwar zünden sie etwas schwerer als gängige Holzkohlebriketts, dafür halten Sie die Temperatur nach einer sehr heißen Anfangsphase recht moderat und ermöglichen so langes direktes und indirektes Grillen. Während des Verbrennens wurde weder Funkenflug noch Rauchentwicklung festgestellt. Lediglich die viele Asche nach dem Abbrennen kann als Minus gewertet werden, was vermuten lässt, dass der Hersteller die Verköhlerung wohl noch nicht ganz optimal ausführt. 

 

 

 

2. Kohle aus Kokosschalen

Außerdem im Test: Die Cocos Grillketts

Verpackung der Cocos Grillketts

Verpackung der Cocos Grillketts

Optischer Eindruck: Die im 3kg-Beutel verpackten Grillketts (es handelt sich dabei um Briketts – und eine Wortneuschöpfung) sehen aus, wie handelsübliche Grillbriketts. Sie haben die klassische Eierform und auch hier ist optisch nicht zu erkennen, dass es sich um ein Produkt handelt, welches nicht aus Holz hergestellt wurde. Werden die Briketts mit den Fingern angefasst fällt auf, dass wesentlich mehr Kohlestaub an den Fingern hängen bleibt, als bei anderen Briketts. Falls mit den Händen gearbeitet wird, empfiehlt es sich also auf jeden Fall, Handschuhe zu verwenden.

Anzündverhalten: Auch die Cocos GRILLKETTS haben wir mit dem Mokan Grillanzünder angezündet. Bereits nach wenigen Minuten war eine deutliche Glut zu erkennen. Und nach insgesamt 25 Minuten war die Kohle dann schon so weit, dass mit dem Grillen begonnen werden konnte. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass hier wirklich schön und schnell zündende Kohlebriketts gefunden wurden. 

Brennzeit: Die Kohle sorgte 2 Stunden nach Erreichen der Grillbereitschaftnoch für eine Temperatur von 220° C im Grill. Gemessen wurde der Wert wieder mit dem integrierten Thermometer bei geschlossenem Deckel. Die Zeit ist ausreichend um einen entspannten Grillabend zu erleben, bei dem das Grillgut auch noch gar wird, wenn man es nicht schafft, pünktlich zur fertigen Glut am Grill zu stehen.

Zündung der Cocos Grillketts

Zündung der Cocos Grillketts

Temperaturkurve: Eine Halbe Stunde nach Erreichen der Grillbereitschaft wurden im Grill Temperaturen von 310° C gemessen. Innerhalb der folgenden halben Stunden fiel die Temperatur dann auf ca. 250° C ab. Eine Stunde später lag die Temperatur dann noch bei 220° C. Das spricht dafür, dass die Temperatur nach einem Peak innerhalb der ersten halben Stunde moderat abfällt und sich für einen längeren Zeitraum etwas über 200° C einpendelt.

Asche: Die Briketts zerfallen vollständig zu einem Aschehaufen, der ca. 10-20% der ursprünglichen Kohlemenge entspricht. Der Ascherest bleibt damit im durchaus üblichen Rahmen. Während des Glühens sind die Briketts konstant nur mit einer dünnen Ascheschicht bedeckt, sodass die Wärme auch stets ungehindert aus dem Inneren der Kohle aufsteigen kann.

Glut der Cocos Grillketts

Glut der Cocos Grillketts

Fazit: Vor allem das leichte und schnelle Anzünden macht die Cocos GRILLKETTS zu einer tollen Alternative zu Holzkohleprodukten. Während des Anzündens wurden weder unangenehme Gerüche noch Funkenflug festgestellt. Darüber hinaus überzeugt die lange Glühdauer und die damit verbundene Aussicht auf einen langen und gemütlichen Grillabend.

 

 

 

 

3. Grillen mit alten Weinstöcken

Beinahe im Test: Rebenglut – Weinstöcke zum Grillen / Knorze

Verpackung von Rebenglut

Verpackung von Rebenglut

Bei diesem Produkt muss ein bisschen weiter ausgeholt werden: Es handelt sich hierbei um getrocknete alte Weinstöcke, die in handliche Portionen gebrochen und in 4kg Säcke gepackt wurden. Aufmerksam wurden wir auf das Produkt durch eine Anzeige im Greenpeace Magazin – dort konnten die “Knorze” auch direkt bestellt werden. Grillen mit einem Abfallprodukt aus der Weinindustrie machte uns sofort neugierig und wir waren gespannt, die besondere Glut auszuprobieren. Da man ja nicht alltäglich mit Weinstöcken grillt, also zunächst ein ausführlicher Blick auf die Anleitung auf der Rückseite des Beutels. Da kam uns allerdings bereits etwas auffällig vor – ohne dass wir es zunächst jedoch berücksichtigt haben…

Optischer Eindruck: Die “Weinstöcke zum Grillen” erinnern optisch ein wenig an Wurzeln. Sie sind fahl braun und sehr verknorzt – daher vermutlich auch der Name. Im Beutel sind sehr unterschiedlich große Stücke enthalten. Zwischen 10 und 25 cm langen Stücken findet sich dort alles. Im Durchmesser sind die Knorze ca. 5 – 10 cm dick.

Anzündverhalten: Und hier beginnt der eigentliche Spaß. Laut Anleitung soll ein Papier unter das Glühprodukt gelegt werden, welches dann angezündet wird. Wir haben darauf verzichtet und stattdessen etwas länger brennende Anzünder aus Holzwolle und Wachs verwendet. Nach einigem Warten und viel Rauchentwicklung, war zumindest an den Stellen an denen die Anzünder lagen, Glut zu sehen. Da diese aber bei weitem nicht ausreichend war, dass damit gegrillt werden konnte, musste eine altbekannte und mühselige Methode zur Anwendug kommen: Luftzufächern. Als 5 Minuten später und nach viel Schweiß kein wirklicher Unterschied festzustellen war, wurde der Versuch abgebrochen. Heute wird nicht auf Weinstöcken gegrillt.

Knorze von Rebenglut

Knorze von Rebenglut

Verwundert warfen wir also nochmal einen Blick auf die Anleitung: Der Aufmerksame Anleitungsleser hätte vermutlich direkt festgestellt,

dass in der Anleitung Weinstöcke oder Knorze mit keinem Wort erwähnt werden. Hier spricht der Hersteller von “Weinreben”. Irritiert haben wir also einen Blick auf die Homepage geworfen. Tatsächlich – es gibt zwei Produkte des Herstellers. Die Weinreben und die Weinstöcke. Die Weinreben sind auch dafür gedacht, den Grill anzuzünden. Die Knorze können dann später dazu gegeben werden, um die Glut länger zu halten.

Dass das beim Einkauf nicht transparent gemacht wurde und viel Geld für ein eigentlich spannendes Produkt ausgegeben wurde, ist enttäuschend. Ein deutlicher Hinweis auf der Verpackung, dass es sich in der Anleitung nicht um das gekaufte Produkt handelt wäre wohl auch gar nicht so verkehrt.

Zündung der Rebenglut

Zündung der Rebenglut

 

Einzig positiv anzumerken ist, dass der Rauch keinen unangenehmen Geruch hat, sondern sehr zart erscheint und auch ein feines Aroma besitzt.

Und wenn wir uns wieder etwas beruhigt haben, werden wir vielleicht die Weinreben besorgen und diese hier ebenfalls vorstellen…

1https://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=93032&bernr=04

3 thoughts on “Gute Kohle – Ökologische Facts und Alternativen zur Holzkohle im Test

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