Mein Weg zum Mokan – Die Gründer erzählen – Teil 2

Martin Schlobach - Gründer

In unserer Serie „Mein Weg zum Mokan – Die Gründer erzählen“ geht es heute im zweiten Teil weiter mit Martin Schlobach:

Arbeiten als Angestellter

Nach meinem Abschluss zum Diplom Ingenieur im Jahr 2007 habe ich durchgängig als Ingenieur in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet. Ich hatte verschiedene Arbeitgeber, tolle Projekte, verantwortungsvolle Aufgaben und, was mir am wichtigsten erschien, ich konnte mir ein umfangreiches Wissen als Ingenieur aneignen und viel Erfahrung sammeln.

Mein Schwerpunkt war die energetische Sanierung und Optimierung von Gebäuden und deren technischer Anlagen. Sechs Jahre meiner Arbeitszeit arbeitete ich im öffentlichen Dienst in Kiel und Bonn. Dort wurde mir schnell klar, dass die Verwaltung und vor allem die Selbstverwaltung einen großen Teil der dortigen Arbeit ausmachen. Die Ingenieursarbeit geriet in den Hintergrund und die Rechtfertigung der eigenen Arbeit gegenüber Ministerien und Verantwortungsträgern stand im Vordergrund. Ein kreatives und verantwortungsbewusstes Arbeiten war somit kaum möglich. 

Bloggen – Die Möglichkeit mein Wissen zu konservieren und Spaß an der Arbeit zu haben

Die Arbeit als Ingenieur hat mir immer einen riesen Spaß bereitet. Jeden Tag neue Herausforderungen, andere Technologien und Probleme die es zu lösen gab. Die vielen Verwaltungsaufgaben sorgten jedoch auch dafür, dass ich das Gefühl hatte mein angeeignetes Wissen nicht anwenden zu können und, was für mich viel schlimmer war, mein Wissen zu verlieren.

Also begann ich im Jahr 2013 einen Weblog aufzubauen und auf www.haustechnikverstehen.de über Gebäudetechnik zu schreiben. Dadurch konnte ich mein Wissen für mich selber aufbereiten, konservieren und sogar vertiefen. Unzählige E-Mails und Kommentare von Lesern sorgten dafür, dass ich mich in neue Themengebiete einarbeitete, um deren Fragen zu beantworten. Die kreative und verantwortungsvolle Arbeit an meinem Blog gibt mir noch heute Kraft und Freude, welche mir auf meiner täglichen Arbeit komplett fehlte.

Die Erkenntnis als Angestellter und die Suche nach Antworten

Natürlich ist jede Arbeitsstelle anders und jeder empfindet seine Arbeit unterschiedlich. Meine Erkenntnis, bezogen auf meine Arbeit, war jedoch folgende: Von Seiten der Politik wollen alle Energie sparen und die Energiewende voran bringen. Wenn es jedoch darum geht Geld in die Hand zu nehmen und geprüfte und sinnvolle Maßnahmen umzusetzen, will keiner die Verantwortung dafür übernehmen und eine Entscheidung treffen.

Ich stellte mir also die Frage, ob ich diese Arbeit in dieser Form den Rest meines Lebens machen möchte. Die Antwort war ein klares „Nein“. Ich beschloss daraufhin im Jahr 2010 noch einmal zu studieren, um meine beruflichen Möglichkeiten zu erweitern. Nach meinem Abschluss 2012 zum Master of Business Consulting war ich mächtig stolz darauf das Studium berufsbegleitend abgeschlossen zu haben, hatte jedoch immer noch das Gefühl, nicht wirklich etwas verändern zu können.

Der Jakobsweg zur Selbstfindung

Im Jahr 2012 bin ich meinen ersten Jakobsweg gelaufen und habe enorm viel Kraft daraus gewonnen, welche ich für das Schreiben meiner Masterarbeit nutzte. Ich startete meinen Jakobsweg in St. Jean Piet de Port und es folgte der Beginn eines fünf wöchigen Fußmarschs in das 800 km entfernte Santiago de Compostella. Für mich war es das wohl härteste und gleichzeitig wundervollste Erlebnis, welches ich in meinem bisherigen Leben erlebt habe.

Fünf Wochen aus dem Rucksack zu leben, nur mit dem nötigsten auszukommen und sich mit nur wenig Kontakt in die Heimat zu genügen verändern die Sichtweise auf den regulären Alltag. Da mir dieses Ereignis im Jahr 2012 so viel Kraft gegeben hat und der Frust in meinem Angestelltenverhältnis im Jahr 2015 seinen Höhepunkt erreichte, beschloss ich noch einmal einen Jakobsweg zu laufen. Dieses Mal die Nordrute des Jakobsweges, den Camino del Norte von Irun bis in das 850 km entfernte Santiago de Compostella.

Nach diesem Jakobsweg habe ich viel nachgedacht, da der Jakobsweg einen verändert und man danach vieles klarer sieht. Ich habe mich auch gefragt, was meine Realität sein soll: Meine aktuelle Arbeit oder diese unendliche Freiheit mit unglaublich tollen Menschen, die ich auf dem Jakobsweg kennen gelernt habe?

Ich habe Menschen getroffen die mit nichts unterwegs waren und ein so tiefes vertrauen ins Leben hatten, dass dies auf mich übertragen wurde. Die Freiheit die ich erfahren habe kann mit keinem Gehalt und keiner Sicherheit der Welt bezahlt werden. Nach einem Jakobsweg ist man wie eine Wildkatze, die für eine kurze Zeit die Freiheit erleben durfte und anschließend wieder zurück in den Käfig soll. Ich wollte nicht zurück in den Käfig und entschied mich dazu mein Angestelltenverhältnis zu kündigen.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht wohin es geht und wohin mich das Leben führt, aber ich wollte das Risiko eingehen und mein Leben wieder selber in die Hand nehmen. Nach meiner Kündigung kamen so viele Ideen auf, dass es einer kreativen Explosion in meinem Gehirn gleichte. Alle Schranken waren weg und Träume, die man immer aufgeschoben hat, waren so nah, dass man sie sofort umsetzen wollte. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben jetzt erst richtig beginnt.

Auf dem Jakobsweg 2015

 Abbildung 1: Auf dem Jakobsweg 2015

Der Sprung ins unbekannte – Das Ergebnis: ein Grillanzünder

Nach der Kündigung überlegte ich mir was ich als nächstes tun könne und in welchen Teil der Welt mich das Leben verschlägt. Ich wollte erst einmal weiter an meinem Blog schreiben und mir genau überlegen was ich möchte und welche Kriterien mein künftiger Arbeitgeber erfüllen muss, damit ich mich wohlfühle und mein Arbeitgeber ebenfalls. Eine Selbstständigkeit war ebenfalls eine Möglichkeit, schien zu diesem Zeitpunkt jedoch sehr abwegig. Kurz und knapp: Alles war möglich.

An einem Abend im November 2015 traf ich mich mit meinem Bandkollegen Martin auf ein Bier und erzählte ihm, dass ich gekündigt habe. Er meinte darauf: “Krass, das habe ich vor ein paar Monaten auch gemacht. Wollen wir einen Grillanzünder bauen?” Da ich zu diesem Zeitpunkt keine konkreten Pläne hatte, dachte ich “Klar warum eigentlich nicht?” und sagte zu. Beim nächsten Bandtreffen mit Marius fragte Martin uns beide ob wir zu dritt den Grillanzünder bauen wollen. Wir alle waren von der Anzündmethode sofort begeistert und ließen umgehend alle Instrumente liegen. Unserer aller Augen strahlten und wir fühlten uns wie Daniel Düsentrieb, wenn er eine geniale Idee verwirklichte. Das Feuer der Leidenschaft, etwas zu erfinden, begann in uns allen zu lodern. 

Nach vielen Experimenten und vielen Tests hatten wir im Februar 2016 einen perfekten Prototypen entwickelt und beschlossen ein Unternehmen zu gründen. Seitdem bin ich Firestarter Entrepreneur, Gründer und Teil der Vorreiter UG. Ich freue mich auf das, was alles auf uns zukommt und bereue keinen meiner gegangenen Schritte. Es ist ein tägliches lernen und erleben neuer Sachen, welche die Arbeit und das Leben nicht langweilig werden lassen. 

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