Von der Idee zum Produkt – Die Entstehung eines Grillanzünders

Testphase der Mokan Prototypen

Heute Morgen hielt ich einen Mokan in meiner Hand und schaute erstaunt auf dieses kleine Kerlchen aus Wellpappe. Es zauberte ein Lächeln in mein Gesicht und erinnerte mich daran, wie wir vor knapp einem Jahr damit angefangen haben aus einer Idee ein Produkt zu entwickeln. Ich stöberte daraufhin in unserem Fotoarchiv und musste schmunzeln als ich die ganzen Fotos von den ersten Mokan Prototypen und Tests sah. Diese wollen wir euch selbstverständlich nicht vorenthalten!

Am Anfang war die Idee

Als Martin uns seine neue Anzündmethode vorstellte und wir uns dazu entschieden haben ein Produkt daraus zu machen, hatten wir keine Vorstellung was alles auf uns zukommen sollte. Blauäugig und mit der unbekannten Kraft, die etwas neuem inne steckt, begannen wir zu überlegen wie ein solches Produkt aussehen könnte. Die erste Idee war ein Papierkegel mit abgesägter Spitze. Ok, das war einfach. Eigentlich hätten wir nun mit der Bestellung der ersten Mokane beginnen können und uns mit der Verpackung des Mokans beschäftigen. 

Die Verpackung, ja, wie kann die denn so aussehen? In diesem Moment wurde uns klar, dass der Mokan als Papierkegel viel zu groß war und die Verpackung mit dem gedachten Prototyp sehr viel Platz in einem Regal einnehmen würde. Bei hart umkämpften Flächen in Bau- und Supermarkregalen ist dies natürlich ein KO-Kriterium. Wir stellten uns also die Frage: “Wie können wir einen Kegel klein machen und, viel wichtiger, wie kann man diese Form wieder einfach in einen Kegel zurückverwandeln?”

Zu dieser Zeit lief auf dem Sender 3sat eine Dokumentation mit dem Titel “Der Origami-Code – Forscher entdecken das Falten“. Die Origami Falttechnik schien für uns die Lösung! Ori steht für das Falten und Gami für das Papier. Klebstoff und Schere sind nicht erlaubt. In der Doku wurden wir mit Begriffen wie Berg- und Talfaltungen, Quetsch- und Umkehrfaltungen oder Knick- und Senkfaltungen konfrontiert. Mit Origami ist fast alles möglich und keine Form scheint eine Schwierigkeit für diese Technik zu sein. 

Wir fingen an wie die verrückten quadratische Blätter zu falten und hatten in der Tat auch verwertbare Ergebnisse. Der Aufwand und die Detailgenauigkeit von Origami ist jedoch sehr aufwendig und lies uns schnell erkennen, dass diese Arbeit durch keinen Menschen und keine Maschine in Serienproduktion gefertigt werden kann. Origami war also nicht die erhoffte Lösung für unser Problem und wir entschieden uns dazu, den Gedankenprozess für eine Lösung reifen zu lassen. 

Martin saß dann bei einer Schulung der IHK und hatte währenddessen die geniale Idee für eine Spirale. Die ausgezogene Form der Spirale ähnelte sehr stark unserem ersten Entwurf für einen Kegel mit abgesägter Spitze, zusammengeschoben sah die Spirale aus wie eine Schnecke und nahm nur sehr wenig Platz ein. Diese Form schien für uns eine sehr gute Lösung zu sein. Wir kauften uns daraufhin eine gebrauchte Papierschneidemaschine und bekamen vom Bonner Generalanzeiger eine Restrolle mit unbedrucktem Zeitungspapier gegen Spende. Dem Bau der ersten Mokan-Testserie stand nichts mehr im Weg. 

Die Arbeitsschritte die wir per Hand zu bewältigen hatten, waren zu Beginn das Zuschneiden der Papierbögen, das Falten der Bögen und anschließend das Aufrollen der Papierbögen zu einer Spirale. Unser Ziel war es herauszufinden, welche Zuschnitte sich am besten eignen, wie groß die Spirale sein muss und wie viel Papier notwendig ist, um einen Grill anzubekommen. Wir notierten auf jeder Spirale das Gewicht und die Maße des Papierbogens, um beim Testen unseren optimalen Prototypen zu finden.

Die Testphase – Grillen bei 4 °C und Nieselregen

Ausgestattet mit einer Thermografiekamera, einem Haufen von Mokan Prototypen, unendlich vielen Leer-Protokollen, zwei Digitalkameras, 2 Grills, kiloweise Holzgrillkohle und ein paar Streichhölzern haben wir Im Januar 2016 mit dem Testen begonnen und gegrillt was das Zeug hielt. Das Grillen lief dann folgendermaßen ab. Mokan in den Grill stellen, Kohle ringsum kippen, Mokan anzünden, die Stoppuhr drücken und dokumentieren.

Nach 15 Minuten haben wir die fertige Glut entsorgt und den nächsten Mokan im Grill platziert. Währenddessen haben wir unsere Protokolle mit Daten und unsere Mägen mit warmen Tee gefüllt, da bei 4 °C und Nieselregen nicht das optimalste Grillwetter herrschte.

Die Testreihe hat gezeigt, dass wir in der Lage waren mit 17 g Zeitungspapier 1,5 kg Holzkohlebriketts in 25 Minuten zum Glühen zu bringen. Das ist aus heutiger Sicht noch immer der absolute Wahnsinn und wir waren mit unseren Prototypen sehr zufrieden. Die Prototypen wurden natürlich auch während der Testphase weiterentwickelt, da verschiedene nicht funktionierten oder Fehlschlugen. So kam zum einen ein Aufsteller mit 4 Füßen hinzu, um die Spirale zu stabilisieren und zum anderen ein Kerzendocht, welcher heute als Starthilfe für den Mokan dient. 

 

Der große Rückschlag

Aus unserer Sicht war der Prototyp ausgereift und wir nahmen Kontakt mit verschiedenen Papier- und Pappherstellern auf, damit der Mokan produziert werden konnte. Die Ernüchterung kam sehr schnell, denn keine der Firmen war in der Lage den Mokan zu produzieren. Die Größen der einzelnen Mokanbauteile und die von uns ausgedachten Verarbeitungsschritte waren für die vorhandenen Maschinen zu klein und zu komplex, sodass entweder eine extra Maschine hätte gebaut werden müssen oder wir uns etwas anderes einfallen lassen mussten.

Das war ein herber Rückschlag für uns und wir waren richtig geknickt. Ein Papphersteller meinte dann: “Probiert es doch mal mit Wellpappe aus, ich schicke euch ein paar Zuschnitte zu.”. Diese Nachricht konnte uns jedoch nicht wirklich aufmuntern, da wir ja alle Tests mit Zeitungspapier durchgeführt hatten. Wir überlegten uns also wie eine Maschine zur Produktion unseres Mokans aussehen könnte und verwarfen die Idee mit der Wellpappe.

Eines Morgens erreichte uns ein Paket mit ein paar Zuschnitten und wir dachten uns “Ok, wir können es ja mal probieren, auch wenn wir davon ausgehen können, dass es nicht so gut funktionieren wird.” Welch ein Irrtum. Der erste Wellpappmokan nahm es im Test mit unserem Siegerprototyp der vorhergehenden Testreihe auf und gewann mit Abstand.

Wir konnten unser Glück nicht fassen, denn alle Probleme schienen wie weggeblasen. Wir brauchten uns keine Gedanken mehr um den Bau einer Maschine machen und beauftragten die Produktion einer ersten Mokan-Miniserie aus Wellpappe. Nach ein paar Wochen konnten wir die Materialien abholen und die ersten 1.400 Mokane fertigen lassen.

Unser Fazit

Während des Produktions- und Entwicklungsprozesses vom Mokan haben wir viel gelernt. Eine der wichtigsten Lektionen war es jedoch, ein Problem als etwas positives zu sehen. Wir hatten viele kleine und ein paar große Rückschläge, welche uns teilweise wirklich mitgenommen haben.

Wir dachten nicht nur einmal die Flinte ins Korn zu werfen und die Idee eines genialen Grillanzünders zu verwerfen. Die innere Motivation weiterzumachen hat dann jedoch immer Alternativen hervorgebracht, die besser waren als die ursprüngliche Idee. Unsere gelernte Lektion lautet also: “Wenn du auf ein Problem stößt, freue dich! Die Lösung wird besser als das, was du dir gerade vorstellen kannst.”

Auch heute wird der Mokan noch immer weiterentwickelt und verfeinert. So haben wir beispielsweise das Klebesiegel auf dem Mokan in Papier wandeln können. Außerdem bestehen alle verwendeten Klebstoffe zu 100% auf Weizenstärkebasis. Für die Entwicklung und Weiterentwicklung sind die Tipps und Hinweise von Freunden, Testern und unseren Partnerfirmen essentiell gewesen und werden es auch in der Zukunft sein. 

Die gute Zusammenarbeit mit unserem Netzwerk hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen, dass aus der Idee einen Grillanzünder zu bauen, der Mokan entstanden ist, wie er heute zu bekommen ist. 

Der Mokan wie er heute aussieht

Der Mokan wie er heute aussieht

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